Zuckerabgabe auf Softdrinks ab 2028

Die Bundesregierung hat angekündigt, ab dem Jahr 2028 eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen. Das ist eine wichtige Nachricht für alle, die sich seit Jahren für bessere Prävention, gesündere Lebenswelten und den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzen.

Denn zuckergesüßte Getränke sind kein Randthema. Sie gehören zu den Produkten, die im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher selbstverständlich geworden sind. Limonaden, Energydrinks, Eistees und andere Softdrinks liefern oft große Mengen Zucker, machen aber kaum satt. Wer regelmäßig solche Getränke konsumiert, nimmt schnell deutlich mehr Zucker zu sich, als dem Körper guttut.

Das Problem liegt dabei nicht allein bei einzelnen Familien. Natürlich spielen Ernährung, Gewohnheiten und Aufklärung eine Rolle. Aber Kinder wachsen in einer Umgebung auf, in der stark gezuckerte Produkte überall verfügbar, intensiv beworben und oft günstiger oder sichtbarer sind als gesündere Alternativen. Genau deshalb braucht es nicht nur Appelle an Eltern, sondern auch politische Maßnahmen, die gesündere Entscheidungen leichter machen.

Warum eine Zuckerabgabe sinnvoll ist

Eine Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke setzt dort an, wo Produkte entstehen: bei den Unternehmen. Sie kann Hersteller dazu bewegen, den Zuckergehalt ihrer Getränke zu senken. Genau das ist entscheidend.

Denn freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben in Deutschland bisher kaum ausgereicht, um den Zuckergehalt in Softdrinks spürbar zu reduzieren. Andere Länder, etwa Großbritannien, haben gezeigt, dass verbindlichere Maßnahmen eine stärkere Wirkung entfalten können.

Studien deuten darauf hin, dass eine Zuckerabgabe den Konsum von Zucker senken und langfristig dazu beitragen kann, ernährungsbedingte Erkrankungen zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem starkes Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für Kinder ist dieser Punkt besonders wichtig. Was früh zur Gewohnheit wird, prägt oft viele Jahre. Wer schon in jungen Jahren regelmäßig sehr süße Getränke konsumiert, gewöhnt sich an diesen Geschmack. Prävention beginnt deshalb nicht erst, wenn Krankheiten entstanden sind. Sie beginnt im Alltag.

Prävention braucht mehr als gute Ratschläge

Bei gesundekids geht es genau um diesen Gedanken: Kinder sollen gesund aufwachsen können. Nicht durch Druck. Nicht durch Schuldzuweisungen. Sondern durch bessere Bedingungen, bessere Informationen und praktische Unterstützung.

Eine Zuckerabgabe löst nicht alle Probleme. Sie ersetzt keine Ernährungsbildung, keine Bewegung, keine psychische Gesundheitsförderung und keine gute Begleitung von Familien. Aber sie ist ein Baustein in einem größeren Konzept.

Gute Prävention besteht aus mehreren Teilen:

  • Mehr Wissen über Ernährung.
  • Mehr gesunde Angebote in Kita, Schule und Freizeit.
  • Weniger aggressive Vermarktung ungesunder Produkte an Kinder.
  • Bessere Rahmenbedingungen für Familien.
  • Und politische Entscheidungen, die Gesundheit nicht allein zur Privatsache erklären.

Genau deshalb ist die angekündigte Zuckerabgabe ein wichtiges Signal.

Ein langer Weg bis zur politischen Ankündigung

Die aktuelle Entscheidung ist nicht plötzlich entstanden. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit vieler Organisationen, Fachleute und Unterstützerinnen und Unterstützer.

Das Wissenschaftsbündnis DANK, die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten, setzt sich seit 2010 dafür ein, strukturelle Maßnahmen gegen Volkskrankheiten stärker in die politische Diskussion zu bringen. Von Anfang an ging es dabei um die Frage, wie Krankheiten verhindert werden können, bevor sie entstehen.

In den vergangenen Jahren wurden Studien auf den Weg gebracht, Positionspapiere veröffentlicht, Gespräche mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern geführt und breite Bündnisse geschmiedet. Auch Verbraucherorganisationen, Foodwatch Deutschland und zahlreiche Verbände haben die Forderung nach einer Zuckerabgabe immer wieder unterstützt.

2024 forderten mehr als 35 Verbände die Bundesregierung in einem offenen Brief auf, Kinder und Jugendliche stärker zu schützen. 2025 folgte ein weiterer Verbändeappell. 2026 wurde die Forderung nochmals bekräftigt, unter anderem durch einen Appell von über 40 Organisationen und eine Unterschriftenaktion mit mehr als 4.000 Ärztinnen und Ärzten.

Diese Arbeit zeigt: Gesundheitspolitische Veränderungen brauchen Ausdauer. Sie brauchen wissenschaftliche Grundlagen. Und sie brauchen Menschen, die dranbleiben.

Was jetzt wichtig bleibt

Die Ankündigung ist ein Fortschritt. Aber sie ist noch nicht die fertige Lösung.

Entscheidend wird sein, wie die Zuckerabgabe konkret ausgestaltet wird. Wichtig ist, dass sie wirksam genug ist, um Hersteller tatsächlich zur Reduktion von Zucker zu bewegen. Außerdem sollte genau beobachtet werden, ob sich Rezepturen verändern, wie sich Preise entwickeln und ob Kinder und Jugendliche langfristig davon profitieren.

Auch die Verwendung möglicher Einnahmen wird eine wichtige Frage sein. Aus Sicht der Prävention wäre es sinnvoll, Mittel gezielt in Gesundheitsförderung zu investieren, zum Beispiel in Kitas, Schulen, Bewegungsangebote, Ernährungsbildung und Projekte zur mentalen Gesundheit.

Denn Kindergesundheit entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme. Sie entsteht dort, wo viele sinnvolle Schritte ineinandergreifen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die geplante Zuckerabgabe ab 2028 ist ein wichtiger Schritt. Nicht, weil sie alles löst. Sondern weil sie anerkennt, dass Gesundheit nicht nur vom individuellen Verhalten abhängt.

Kinder brauchen eine Umgebung, die sie schützt und stärkt. Dazu gehört auch, dass Produkte mit sehr hohem Zuckergehalt nicht einfach als normale Alltagsgetränke behandelt werden.

Für gesundekids ist die Entscheidung deshalb ein positives Signal. Sie zeigt, dass Prävention politisch ernster genommen wird. Jetzt kommt es darauf an, aus der Ankündigung eine wirksame Regelung zu machen.

Denn jedes Kind, das gesünder aufwachsen kann, ist mehr wert als jede bequeme Ausrede.